Definition Gicht – Was ist das?
Gicht ist eine entzündliche Stoffwechselerkrankung, die durch eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) verursacht wird. Dabei bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken und Geweben ablagern und schmerzhafte Schwellungen auslösen.
Bei Gicht handelt es sich um eine Erkrankung des Purinstoffwechsels. Der Purinstoffwechsel ist der Prozess, bei dem Purine im Körper abgebaut werden. Purine kommen in vielen Lebensmitteln vor, besonders in Fleisch, Innereien, Meeresfrüchten und Hülsenfrüchten. Auch produziert der Körper selbst Purine, da sie wichtige Bestandteile unserer Zellen sind. Bei Zellabbau und Erneuerung durch Wachstum, Verletzung oder Krankheiten entstehen sie also ebenfalls.
Beim Abbau dieser Purine entsteht Harnsäure. Normalerweise wird diese über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden.
Bei Gicht funktioniert dieser Prozess nicht richtig:
Der Körper produziert zu viel Harnsäure oder die Nieren scheiden nicht genug davon aus.
Dadurch steigt der Harnsäurespiegel im Blut. Wenn die Harnsäure eine bestimmte Konzentration überschreitet, bildet sie kleine Kristalle, die sich in den Gelenken ablagern. Diese Kristalle lösen dann eine schmerzhafte Entzündung aus – den typischen Gichtanfall.
Symptome von Gicht – der Gichtanfall
Gicht äußert sich meist durch plötzliche, starke Schmerzen in einem Gelenk, oft in der Nacht oder am frühen Morgen. Typischerweise ist das Großzehengrundgelenk betroffen, aber auch andere Gelenke wie Sprunggelenk, Knie, Finger oder Handgelenk können entzündet sein. Das betroffene Gelenk ist gerötet, geschwollen, überwärmt und extrem berührungsempfindlich. In schweren Fällen kann zusätzlich Fieber auftreten. Die ersten Gicht-Schübe dauert meist erst einmal nur ein paar Tage an. Danach erholt sich das Gelenk nach und nach wieder und man ist zunächst beschwerdefrei. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Gichtanfälle jedoch heftiger und halten länger an. Meist sind dann auch mehrere Gelenke betroffen.
Bleibt die Gicht unbehandelt, kann sie chronisch werden. Dann bilden sich Harnsäureablagerungen unter der Haut, sogenannte Gichtknoten (Tophi), und es kann zu dauerhaften Gelenkschäden kommen. Außerdem besteht das Risiko von Nierensteinen und Nierenschäden durch eine dauerhaft erhöhte Harnsäurekonzentration.
Was sind Gichtknoten?
Gichtknoten (Tophi) sind feste, knotige Ablagerungen von Harnsäurekristallen unter der Haut. Sie entwickeln sich meist bei chronischer Gicht und treten häufig an den Fingern, Zehen, Ellenbogen, Knien oder der Achillessehne auf. Anfangs sind sie schmerzlos, können aber mit der Zeit wachsen, das umliegende Gewebe reizen und Entzündungen verursachen. In schweren Fällen kann die Haut über den Knoten aufplatzen, wodurch eine weißliche, pastenartige Masse aus Harnsäurekristallen austritt.

Unbehandelt können Gichtknoten zu Gelenkzerstörungen, Bewegungseinschränkungen und sogar Knochenschäden führen.
Diagnose Gicht
Klinische Untersuchung: Der Arzt fragt nach den Symptomen (z. B. plötzliche Gelenkschmerzen, Schwellungen, Rötungen) und untersucht die betroffenen Gelenke. Ein charakteristisches Zeichen ist die Entzündung, besonders bei einem Gichtanfall (z. B. im Großzehengrundgelenk).
Bluttests: Ein wichtiger Indikator für Gicht ist der Harnsäurespiegel im Blut. Ist dieser erhöht (Hyperurikämie), deutet das auf ein Gichtrisiko hin. Allerdings ist ein hoher Harnsäurespiegel nicht immer ein Beweis für Gicht.
Manche Menschen mit erhöhtem Harnsäurewert entwickeln keine Symptome.
Gelenkpunktierung (Arthrozentese): Die sicherste Methode, Gicht zu diagnostizieren, ist die Entnahme von Gelenkflüssigkeit aus dem betroffenen Gelenk. Diese Flüssigkeit wird unter dem Mikroskop auf Harnsäurekristalle untersucht. Wenn Kristalle nachgewiesen werden, bestätigt dies die Diagnose Gicht.
Bildgebung: Röntgenaufnahmen können helfen, Gelenkschäden durch chronische Gicht oder das Vorhandensein von Gichtknoten (Tophi) sichtbar zu machen. Allerdings sind Röntgenbilder für die Diagnose von akuten Gichtanfällen nicht entscheidend.
Durch diese Tests kann der Arzt nicht nur feststellen, ob Gicht vorliegt, sondern auch deren Schweregrad und mögliche Gelenk- oder Nierenschäden beurteilen.
Behandlung von Gicht
Die Behandlung von Gicht zielt darauf ab, akute Gichtanfälle zu lindern, den Harnsäurespiegel zu senken und langfristige Gelenkschäden zu verhindern. Bei einem akuten Gichtanfall kommen entzündungshemmende Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz, die Schmerzen und Entzündungen lindern. Zusätzlich kann Colchicin verwendet werden, um die Entzündung zu verringern, und in schweren Fällen werden auch Kortisonpräparate eingesetzt. Kühle Wickel oder Eisbehandlungen helfen, die Schwellung und den Schmerz zu reduzieren.
Langfristig wird der Harnsäurespiegel durch Medikamente wie Urikosurika, die die Ausscheidung von Harnsäure fördern, oder Xanthinoxidase-Hemmer wie Allopurinol gesenkt, die die Produktion von Harnsäure verringern. Diese Medikamente werden zur Vorbeugung weiterer Gichtanfälle über einen längeren Zeitraum eingenommen.
Zusätzlich wird empfohlen, den Lebensstil zu ändern. Eine Ernährung mit weniger purinhaltigen Lebensmitteln wie rotem Fleisch, Innereien, Meeresfrüchten und Alkohol hilft, den Harnsäurespiegel zu regulieren. Stattdessen sollten mehr Obst und Gemüse konsumiert werden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig, um Harnsäure über den Urin auszuscheiden. Übergewicht sollte reduziert werden, da es das Risiko für Gicht erhöht.
In schweren Fällen, wenn Gichtknoten (Tophi) schmerzhaft oder das Gelenk beeinträchtigen, kann eine chirurgische Entfernung erforderlich sein. Die regelmäßige Überwachung des Harnsäurespiegels durch Bluttests ist entscheidend, um sicherzustellen, dass der Wert im Zielbereich bleibt und neue Gichtanfälle verhindert werden.
Durch eine Kombination aus Medikamenten, Ernährungsumstellung und Lebensstiländerungen kann Gicht erfolgreich behandelt und kontrolliert werden.
Fazit Gicht
Gicht ist eine Form von Rheuma, die durch erhöhte Harnsäurewerte im Blut entsteht. Sie tritt meist in Form von akuten Anfällen auf, bei denen Harnsäurekristalle in den Gelenken Ablagerungen bilden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um langfristige Gelenkschäden zu vermeiden. Eine konsequente Behandlung kann helfen, die Symptome zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.